Kunstrasenhersteller gerettet

Ottendorf, 13.10.2016

Kunstrasen-Hersteller gerettet

Ein Sportplatzbauer aus dem Allgäu übernimmt das Unternehmen in Ottendorf. Zeitweise wusste allerdings keiner, wie es weitergeht.(von Bettina Junge)

Der Kunstrasen in der Allianz-Arena München, im Stadion von Erzgebirge Aue und der Sportplatz im Unterdorf von Auerswalde haben eins gemeinsam: Der Belag wurde von der Firma Scos aus Lichtenau verlegt. Doch der Kunstrasen- und Kunststoffbelag-Verleger im Gewerbegebiet Ottendorf war im Frühjahr in finanzielle Schieflage geraten, sagte gestern Petra Grenz im Auftrag der Firma.

Scos habe Gläubigerschutz beantragt, um eine Sanierung einzuleiten. „Überraschend hatte sein finnischer Hauptauftraggeber fusioniert und benötigte die Dienstleistungen von Scos nicht mehr“, so Grenz. Das Unternehmen aus Ottendorf hat vor allem Sportstätten in Deutschland, Schweden und Norwegen mit Kunstrasen ausgestattet. Aber auch Belege für Fußballstadien,Turnhallen, Golfplätze, Reitanlagen und in Hausgärten wurden verlegt oder entfernt und recycelt. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Der Memminger Sportplatzbauer Kutter hat in einem sogenannten Asset-Deal das Anlagevermögen und die Fachkräfte von Scos übernommen.

Nach Vertragsunterzeichnung werde Scos nun als nichtselbstständige Kutter-Niederlassung in Lichtenau fortgeführt, erläutert Grenz. Sämtliche Fachkräfte hätten neue Arbeitsverträge erhalten und seien bereits für den Sportplatzbauer im Einsatz. wie viele Mitarbeiter zurzeit in Ottendorf beschäftigt sind, könne sie nicht sagen. Sie sei sich aber sicher, dass keiner entlassen wurde. Fest stehe auch, dass einer der beiden bisherigen Chefs Privatier geworden sei, also finanziell unabhängig. Der zweite Chef sei bei Kutter angestellt worden.

Betriebswirt Franz Lermer und Techniker Stefan Heller hatten den Kunstrasen-Verleger Scos im Jahr 2004 in Lichtenau gegründet. Bereits im ersten Jahr bauten sie den Rasen im Stadion von Erzgebirge Aue und nahmen erste Aufträge in Skandinavien an, fügte Sprecherin Petra Grenz hinzu. Von neun Mitarbeitern war das Unternehmen bis auf über 40 Mitarbeiter im Jahr 2009 gewachsen, mit einem Umsatz von 5,8 Millionen Euro, heißt es.

Alle Rahmenbedingungen sprechen bei Scos für ein gesundes Unternehmen“, sagt Markus Pfalzer, Hauptgeschäftsführer der Hermann-Kutter-Gesellschaft. Er bezeichnet es als “Glücksfall für unser Unternehmen“, dass Kutter durch den Unternehmenskauf in Kontakt mit einer fachlich erfahrenen Belegschaft gekommen sei. Das Memminger Unternehmen führe somit Scos am bisherigen Standort in Lichtenau fort, so Sprecherin Grenz. Das bayerische Unternehmen habe gut 20 bundesweite Pflegeaufträge von Scos übernommen, die teilweise bis zum Jahr 2020 liefen. Um welche es sich dabei konkret handelt, konnte sie nicht sagen. Kutter zähle zu den führenden Unternehmen beim Bau von Sport- und Freizeitanlagen in Süddeutschland, ergänzt die Sprecherin. Weitere Kernbereiche des Landschafts- und Sportplatzbauers sind Bau und Pflege kommunaler sowie gewerblicher Außenanlagen. Kutter stellt zudem elastische Kutter-Sportbeläge her, die bestimmten Normen entsprechen. Derzeit beschäftigt Kutter in Memmingen rund 120 Mitarbeiter. Der Memminger Landschafts- und Sportplatzbauer Kutter gehe diesen neuen Weg, um einem weiteren Fachkräftemangel zu entgehen, heißt es weiter.

Am Standort von Scos im Gewerbepark war gestern kein Mitarbeiter erreichbar, auch telefonisch nicht. Damit konnten vor Ort die Übernahmepläne nicht bestätigt werden. Ob zurzeit Betriebsruhe besteht, konnte auch die Sprecherin nicht sagen. Es sei aber bekannt, dass es in Ottendorf zeitweise einen Stillstand gegeben habe.

Im Rathaus der Gemeinde Lichtenau sind die Übernahmepläne indes nicht bekannt, heißt es aus dem Hauptamt. Bauamtschefin Cornelia Franke bestätigt, dass die Ottendorfer Firma den Kunstrasen auf dem Sportplatz hinter dem Jugendhaus Kontakt in Auerswalde verlegt hat. „Wir haben gute Erfahrungen mit der Firma“, ergänzt sie.

Freie Presse, 13.10.2016